Heimat-Spuren in Hattingen

Was erinnert heute in Hattingen an die Flucht und Vertreibung der Nachkriegsjahre? Während es in vielen umliegenden Gemeinden offizielle Gedenksteine gibt, sind in Hattingen nur wenige Spuren zu finden.

Der Fries im Foyer der Realschule Grünstraße. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Claus Heeger/Olfen. Fotos: Lars Friedrich

Der Fries im Foyer der Realschule Grünstraße. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Claus Heeger/Olfen. Fotos: Lars Friedrich

Seit Dezember 1971 befindet sich im Foyer der 1963 fertig gestellten Realschule Grünstraße ein künstlerisch gestaltetes Fries, das insgesamt 47 Orte aufzählt, aus denen Flüchtlinge und Vertriebene nach Hattingen gekommen sind – darunter 29 Orte in der damaligen DDR, 16 in Polen und 2 in Russland: Rostock, Parchim, Güstrow, Malchin, Wismar, Schwerin, Neubrandenburg, Wittenberg, Halle, Magdeburg, Dessau, Torgau, Leipzig, Dresden, Eisennach, Erfurt, Weimar, Gotha, Berlin, Küstin, Cottbus, Frankfurt, Potsdam, Guben, Stettin, Rügen, Stralsund, Pasewalk, Anklam, Belgard (Białogard /Polen), Kolberg (Kołobrzeg/Polen), Stolp (Słupsk/Polen), Schneidemühl (Piła/Polen), Flatow (Złotów/Polen), Krone (Wałcz/Polen), Thorn (Toruń/Polen), Bromberg (Bydgoszcz/Polen), Posen (Poznań/Polen), Glogau (Głogów/Polen), Oppeln (Opole/Polen), Ratibor (Racibórz/Polen), Gleiwitz (Gliwice/Polen), Beuthen (Bytom/Polen), Memel (Klaipėda/Litauen), Königsberg (Kaliningrad/Russland), Marienburg (Malbork/Polen), Tilsit (Sowetsk/Russland).

Gestaltet wurden die Relieftafeln (Kunstputz und Latexfarbe auf Holzplatten) vom damaligen Kunstlehrer der Schule, dem Grafiker Claus Heeger, nach einer Idee des Schulleiters, Dr. Karl Moritz. Moritz wollte, so der Ruhr-Anzeiger am 8. Dezember 1971, dass „die Erinnerung der Kinder an die ehemaligen deutschen Ostgebiete aufrecht erhalten bleibt“. Die Kosten in Höhe von 10.000 Euro übernahm die Stadt Hattingen.

Die "Ost-Straßen" im Oberwinzerfeld. Fotos: Lars Friedrich

Die „Ost-Straßen“ im Rauendahl. Fotos: Lars Friedrich

In dem weitgehend für Flüchtlinge und Vertriebene entstandenen Hattinger Stadtteil Rauendahl erinnern sechs Straßennamen an deren frühere Heimat in Berlin (1948 bis 1990 geteilt), Weimar und Jena (1949 bis 1990 DDR), Stettin (Szczecin/seit 1945 Polen), Breslau (Wrocław/seit 1945 Polen) und Königsberg (Kaliningrad/seit 1945 russische Exklave in Polen). Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Welper entwickeln derzeit Zusatzschilder, die eine Einordnung der Straßenschilder in den geschichtlichen Kontext ermöglichen.

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