Die Figuren-Chronik

Die Geschichte des Grafen Friedrich III. von Isenberg wird in der Hattinger Ausstellung „Zerbrochen ist sein Wappenschild“ im Museum im Bügeleisenhaus am Haldenplatz Nr. 1 für kleine und große Besucher durch beliebte und bekannte Spielfiguren* erlebbar.

Mönch Caesarius von Heisterbach berichtet über Leben, Leiden und Wunder des Erzbischofes Engelbert von Köln, dessen Schrein im Hintergrund zu sehen ist. Foto: LRF/HAT

Mönch Caesarius von Heisterbach berichtet über Leben, Leiden und Wunder des Erzbischofes Engelbert von Köln, dessen Schrein im Hintergrund zu sehen ist. Foto: LRF/HAT

Ausgehend von den Aufzeichnungen des Mönches Caesarius von Heisterbach, einem Gedicht der Annette Freiin von Droste-Hülshof und weiterer Berichte erzählen wir in sieben detailreichen Bildern die Geschichte eines tödlichen Konfliktes, der mit dem Adelskrieg mit Erzbischof Engelbert I. von Köln beginnt und mit der Zerstörung der Isenburg durch den Kölner Erzbischof Heinrich I. und den Tod Friedrichs in Köln endet.

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Das adelige Damenstift in Essen verfügt im 13. Jahrhundert über reichen Besitz im Rheinland und in Westfalen und nimmt auf Grund seiner engen Verbindung zum Königtum eine Vorzugsstellung ein. Die Vogtei, die den Schutz des Stiftes und seine Vertretung in weltlichen Angelegenheiten umfasst, ist seit 1209 in den Händen Friedrich III. von Isenberg. Mit der Vogtei sind beträchtliche Einkünfte verbunden und so ist sie ein besonders wertvoller Besitz, auf den sein Inhaber nicht verzichten kann und will.

Zwischen der Fürstäbtissin des Stifts Essen, Adelheid von Wildenberg, und Friedrich III. von Isenberg entbrennt deshalb ein Streit: Die Position des Vogtes steht nach Auffassung des Grafen ausnahmslos seiner Familie zu, doch Adelheid widerspricht: Ihrer Meinung nach habe das Stift das Recht, den Vogt frei zu wählen. Der Erzbischof von Köln, Engelbert I., soll den Streit schlichten. Anfang November 1225 trifft sich der Erzbischof beim Adelstag in Soest mit seinem Neffen Friedrich, um mit ihm über die Essener Vogtei zu verhandeln. Als sich nach dreitägigen Diskussionen kein Ergebnis abzeichnet, vertagt man das Problem und will am 10. November 1225 in Köln erneut sprechen

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Am 7. November 1225 überfällt Graf Friedrich III. bei Gevelsberg seinen Onkel zweiten Grades, den Kölner Erzbischof Engelbert I., der sich auf dem Rückweg von Soest nach Köln befindet. Der Isenberger will mit der prominenten Geisel seinen Anspruch erzwingen, weithin gegen Geld- und Sachleistungen das Essener Damenstift zu vertreten und zu beschützen. Doch die versuchte Geiselnahme läuft aus dem Ruder und endet – wohl unbeabsichtigt – mit dem Tod des Kirchenmannes.

Friedrich und seine acht adeligen Gefolgsleute fliehen, während Engelberts Leichnam nach Köln gebracht wird. Da die Knochen nach dem mittelalterlichen Rechtsbrauch bei Zeiten vor Gericht zur Klageerhebung benötigt werden, legt man sie erst einmal in einen Schrein, um sie vorzeigen zu können.

Als 1978 die Gebeine einer gerichtsmedizinischen Untersuchung unterzogen werden, können Knochenverletzungen durch 40 bis 50 Hiebe und Stiche nachgewiesen werden.

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Engelberts Nachfolger Heinrich I. von Müllenark, der am 15. November zum Erzbischof gewählt und am 20. November geweiht worden war, schwört alsbald, den Tod Engelberts zu rächen. Vor dem königlichen Hofgericht in Nürnberg wird dem erst 14-jährigen Stauferkönig Heinrich (VII.) im Dezember 1225 das Skelett des toten Erzbischofes gezeigt und Friedrich III. des Mordes bezichtigt. Da er nicht anwesend ist, kann er eigentlich nicht als Mörder verurteilt werden, was die Kölner jedoch fordern. Hierüber entbrennt ein Streit; bei einem anschließenden Tumult sterben rund 50 Männer.

Engelbert I. wird am 27. Dezember 1225 in der Stephanskapelle des alten Kölner Doms beigesetzt. Heute werden seine Gebeine in einem barocken Schrein in der Schatzkammer des Doms aufbewahrt. Sein separat bestattetes Herz ruht im Altenberger Dom, Fingerreliquien finden sich in der Pfarrkirche St. Engelbert in Solingen-Mitte und der Kirche St. Martinus in Solingen-Burg. Ein Teil des Unterarmes wird in der früheren St.-Engelbert-Pfarrgemeinde in Gevelsberg aufbewahrt. Im Essener Domschatz ist ein Engelbert-Reliquiar erhalten.

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Über Friedrich III. wird in Nürnberg letztlich doch die Reichsacht (Friedrich ist ab sofort rechtlos) und der Kirchenbann (Friedrich wird von der religiösen Gemeinschaft ausgeschlossen) verhängt. Seine Frau, Sophie Gräfin von Limburg, und ihre sechs Kinder werden aus der Burg auf dem Isenberg vertrieben; sie fliehen nach Limburg. Seine Brüder Dietrich und Engelbert, Bischöfe von Münster und Osnabrück, die man für Mitwisser der ruchlosen Tat hielt, werden ihrer Ämter enthoben. Über weitere verdächtige Adlige wie den Grafen Otto von Tecklenburg wird ebenfalls der Bann verhängt.

Gleichzeitig wird die Burg auf dem Isenberg von den Gefolgsleuten des neuen Erzbischofes von Köln, Heinrich I., im Winter 1225/1226 planmäßig zerstört.

Auch Friedrichs Besitzung, Burg und Siedlung Nienbrügge an der Lippe, werden zerstört. Die Bürger von Nienbrügge werden später zwischen Lippe und Ahse auf dem „Ham“ angesiedelt, wo am Aschermittwoch 1226 die Stadt Hamm gegründet wird.

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Graf Friedrich III., auf dessen Kopf der neue Kölner Erzbischof einen hohen Preis ausgesetzt hat, reist mit seinen Brüdern Dietrich III. von Isenberg, dem Bischof em. von Münster, und Engelbert I. von Isenberg, dem Bischof em. von Osnabrück, sowie dem isenbergischen Notarius Tobias zu Jahresbeginn nach Rom. Friedrich will sich vor Papst Honorius III. erklären und seine Brüder wollen ihre Amtsenthebung rückgängig machen.

Friedrich kann den Papst von seiner unmittelbaren Unschuld an dem Verbrechen überzeugen und der von Konrad von Urach, dem päpstlichen Gesandten im Reich, schon im Dezember 1225 verhängte Kirchenbann wird in Rom wohl wieder aufgehoben. Der Wunsch der Brüder bleibt jedoch ungehört. Dietrich stirbt auf der Rückreise von Rom 1226, wahrscheinlich am 18. Juli, in Italien. Engelbert wird 1240 jedoch erneut Bischof in Osnabrück.

An Friedrichs Vogelfreiheit und Verfolgung im Reich ändert das Urteil Papst Honoris III. jedoch nichts.

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Auf der weiteren Rückreise macht Friederich III., der sich verkleidet, um nicht erkannt zu werden, in einer Herberge bei Lüttich Rast.

Eine Magd, die auf dem Isenberg gearbeitet hatte, erkennt dort den Grafen wieder – allerdings nicht am Aussehen, sondern an der Art, sich die Hände zu trocknen. Sie verrät Friedrich an den Ritter Balduin von Gennep. Dieser gibt sich zunächst als wohlwollender Gastgeber aus und lädt Friedrich zu einem Gastmahl ein. Dabei wird der Isenberger hinterrücks überfallen und gefangen genommen.

Für den im gesamten Reich gesuchten Gefangenen erhält von Gennep von der Kölner Kirche rund 2.100 Mark in Silber, was einem Gewicht von 452 Kilo entspricht.

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Der Gefangene wird aus Lüttich nach Köln gebracht und drei Tage lang im erzbischöflichen Palast gefangen gehalten, befragt und wohl auch verurteilt.

Friedrich III. wird am 13. November 1226 auf dem Judenfriedhof vor dem St. Severinstor hingerichtet: Den rauhen Sitten der Zeit entsprechend werden seine Arme und Beine zerschmettert und der Körper wird auf ein Wagenrad gelegt, das auf einer vorher errichteten Säule zu Schau gestellt wird.

Währenddessen geht die Auseinandersetzung um das isenbergische Erbe weiter: Graf Adolf von der Mark, ein Cousin Friedrichs III., nimmt den Isenberg in Besitz und lässt die Blankensteiner Burg errichten, um den Wiederaufbau der Isenburg zu verhindern.

1241 baut Friedrichs Sohn, Dietrich von Isenberg und Altena, im heutigen Essener Stadtteil Bredeney die Neue Isenburg. Doch bereits am 22. Februar 1248 verzichtet Dietrich zugunsten Kölns auf die Rechte an der Burg sowie den Vogteien über Essen und Werden und zieht sich auf seine Limburg bei Hagen zurück.

Epilog

Das Schicksal des Kölner Erzbischofs wird bald nach dessen Tod literarisch verarbeitet: Engelberts Nachfolger, Erzbischof Heinrich von Müllenark, gibt am 20. September 1226, dem Tag seiner Weihe, den Auftrag, Engelberts Lebensgeschichte nieder zu schreiben. Der Zisterziensermönch Caesarius aus dem Kloster Heisterbach verfasst daraufhin die Biographie „Vita, passio et miracula beati Engelberti Coloniensis archiepiscopi“ (deutsch: Leben, Leiden und Wunder des Heiligen Engelbert, des Erzbischofs von Köln). Sie soll den Nachweis erbringen, Engelbert sei einem vorsätzlichen Mord zum Opfer gefallen und dadurch zum Märtyrer der Kirche geworden, der es verdiene, heiliggesprochen zu werden.

Viele Jahre später schildert die westfälische Dichterin Annette von Droste-Hülshoff in dem 1844 verfassten, 22 Strophen langen Gedicht „Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Cöln“ die Geschehnisse. Aus diesem Text stammt auch der Titel der Ausstellung:

Zu Cöln am Rheine kniet ein Weib
Am Rabensteine unterm Rade,
Und überm Rade liegt ein Leib,
An dem sich weiden Kräh und Made;
Zerbrochen ist sein Wappenschild,
Mit Trümmern seine Burg gefüllt,
Die Seele steht bei Gottes Gnade.

* Wir hätten an dieser Stelle gerne den Markennamen der bekannten Spielfiguren genannt und auf die Produkt-Internetseite des Herstellers verlinkt. Auf eine diesbezügliche Nachfrage hat uns die geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG jedoch mitgeteilt: „Da wir in erster Linie ein Spielwarenhersteller sind und Kinder unsere wichtigste Zielgruppe sind, möchten wir nicht offiziell mit Szenen, in denen Hinrichtungen oder weitere Gewalt dargestellt werden, in Verbindung gebracht werden.“ Diese Haltung respektiert der Heimatverein Hattingen/Ruhr natürlich und verzichtet auf die Nennung des Markennamens.

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