Hansestadt Hattingen

Als Hansestadt gehörte Hattingen zum rheinisch-westfälischen Drittel (ab 1554 zum Kölner Quartier), das von 1450 bis 1469 und wieder ab 1554 durch die Stadt Köln als Vorort innerhalb der Städtehanse repräsentiert wurde. Auf den Drittels- bzw. Quartierstagen wurden die Interessen der Stadt Hattingen von den Prinzipalstädten Unna und Hamm wahrgenommen. Hierfür zahlte die der hansischen Beistadt Bochum zugewandte Stadt Hattingen (Beistadt 2. Ordnung) nach den Recessen von 1434, 1450 und 1469 ihren Anteil der Reise- und Aufenthaltskosten der Gesandten (Kontribution). (2) Im Gegenzug profitierten Hattinger Kaufleute in Lübeck, Danzig, Reval, Riga, Stockholm, Prag und Antwerpen (1) vom Fernhandel „über Sand und See“, von überregionaler Interessensvertretung und von Zoll- und Abgabenfreiheit.

Älteste Darstellung der Stadt Hattingen um 1659. Landesarchiv NRW, Kartensammlung A, Nr. 7418

Älteste Darstellung der Stadt Hattingen um 1659. Landesarchiv NRW, Kartensammlung A, Nr. 7418

Die spärlichen Hinweise auf Hattingen als Hansestadt haben wir an dieser Stelle aus unterschiedlichen Quellen zusammengefasst. Kursiv dargestellte lokale Ereignisse stehen nur mittelbar mit der frühen Kaufmanns- und der späteren Städtehanse in Verbindung.

1396
Am 2. Juli 1396 wird der Vertrag über die Befestigung der Freiheit Hattingen zwischen Graf Dietrich II. von der Mark als Landesherren und dem Bürgermeister und Rat abgeschlossen. (3)
1397
Der Landesherr verleiht am 16. Juni 1397 Hattingen das Siegel mit dem Georgs-Ritter. (3)
1407
Am 29. April 1407 bewilligt der Landesherr Adolf II. von Kleve-Mark der Stadt, ein Wegegeld für auf Pferden und Wagen aus der Stadt gebrachte Waren zu erheben. (3)
1412
Am 02. Februar 1412 werden die ersten drei Gilden (Kaufleute und Bäcker, Fleischhauer, Loher und Schuhmacher sowie Schmiede und Schröter) in der Stadt Hattingen gegründet. Besonders die später gegründete Gilde der Tuchmacher erlangt überregionale Bedeutung. (3)
1435
Am 20. Juli 1435 verleiht Herzog Adolf den Bürgern der Stadt das Recht, an jedem Dienstag einen freien Wochenmarkt und vier Jahrmärkte innerhalb der Stadt abzuhalten. (3)

1453
Hattingen wird im Zusammenhang mit einem Tuchhandel in England erwähnt. (2)
1470
Johann I. von Kleve-Mark verleiht nach einer Streitigkeit innerhalb der fürstlichen Familie am 16. August 1470 der Stadt Hattingen gemäß dem hansischen Statut erneut die Zollfreiheit für ein- und ausgeführte Waren in Unna, das Vorort der kleinen Hansestädte in der Grafschaft Mark ist. Diese hansische Zollfreiheit in Unna galt schon vor dem Beginn der Streitigkeiten, die 1430 begann. (3)
1478
Landesherr Johann II. von Kleve-Mark verleiht Hattingen das Recht, eine große Waage aufzustellen und Waagegeld zu nehmen. Zudem wird auf dem Markt von auswärtigen Kaufleuten ein Standgeld und für ausgeführtes Fassbier ein Ausfuhrzoll erhoben. (3)
1504
Der Rat der Stadt Hamm wird – wie schon für die Stadt Unna – auf Verlangen der Hattinger ab Januar 1504 Berufungsinstanz für Hattinger Gerichtsprozesse. (3)
1515
In Hattingen wird Heinrich Cramer von Clausbruch geboren (gestorben am 3. November 1599 in Leipzig), der nach seiner Lehre in Antwerpen als Großkaufmann erfolgreich in Leipzig tätig ist. (4)
1532
Hattingen hat eine Einwohnerzahl von rund 1000. Im 16. Jahrhundert werden in Hattingen wohl drei Haupthandelsgüter umgeschlagen: das in den Speicherhäusern am Kirchplatz gelagerte Getreide aus dem Norden, Schmiedeeisen aus dem südlichen Bergland sowie Wolltücher und Laken, die vor Ort aus spanischer Wolle hergestellt wurden. (3)
1545
Der in Hattingen geborene Kaufmann Evert Stortelberg (Eberhard Störtelberg), der im Ostseeraum flandrisches Tuch handelte, wird Bürgermeister von Lübeck. (3)
1554
Die wendischen Hansestädte Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald, Hamburg und Lüneburg wollen den Sonderweg Westfalens stoppen und legen im Mai 1554 einen neuen Bundesentwurf vor: Die große Zahl an vor allem sehr kleinen Städten in Westfalen, die sich an der Hanse beteiligen, sollte städterechtlich gestrafft werden. Um diesen zu unterlaufen, hatte Köln bereits am 12. Februar sein Drittel nach Wesel einberufen. Dort wurde festgelegt, dass alle Städte als Beistädte einer Prinzipalstadt als zur Hans gehörig anerkannt werden, welche die Kontribution zahlen. Hamm und Unna erklären daraufhin, dass die ihr untergeordnete Stadt Hattingen nach den Rezessen ihren finanziellen Beitrag leiste – und somit zur Hanse gehöre. Für eine Auflistung der kleineren märkischen Mitgliedstädte beurkunden Hamm und Unna am 18. März 1554 dann auch die Zugehörigkeit des „Fleckens“ Blankenstein zum Hansebund. (2)
1567
Im Zusammenhang mit einer hansischen Maßnahme gegen England (Ausfuhrzoll für Laken) wird Hattingen genannt. (3)
1586
Zwischen 1586 und 1590 entsteht die Befestigung der Stadt mit einer steinernen Ringmauer, Wehrtürmen und 5 festen Stadttoren
1589
Im Jahre 1589 soll an der Stadtmauer in der Nähe des Steinhagentores, wo die Handelswege aus dem südlichen Hügel- und Bergland zusammenliefen, eine Inschrift angebracht worden sein, worin Hattingen eine „Hanse-Stadt“ genannt wird. Diese Inschrift ist mit Abriss des Tores 1818 verschwunden. (3)
1669
Im Juli 1669 fand in Lübeck ein letzter Hansetag statt, nachdem die Wiederbelebung der Hanse durch den Dreißigjährigen Krieg gescheitert war. Es kamen nur neun Delegierte und sie gingen ohne Beschlüsse zu fassen auseinander. Die Hanse wurde „sanft“ beendet.
1699
Die letzte Nennung der Stadt Hattingen in einem hansischen Kontext stammt aus dem „Liber Hanseaticus“ (Statuten und Protokolle der „Wand-Hanse“ des Kaufamtes zu Werl), in dem bei der Wahl des Werler „Hanse Gravii“ (Hansgrafen) im Jahre 1699 ein Diederich Kopman aus Hattingen erwähnt wird. (1) Die Germanistin Ruth Schmidt-Wiegand hat 1982 das Hansgrafenamt in Westfalen „als ein Relikt aus älterer Zeit“ bezeichnet, so dass man daraus keine aktive Hanse(zugehörigkeit) schließen sollte. (4)

1996

Mit Ratsbeschluss vom 02. Juli 1996 tritt die Stadt Hattingen dem Westfälischen Hansebund bei (seit 2017 „Westfälische Hanse“)
2012
Am 6. Februar 2012 bewirbt sich die Stadt Hattingen um die Ausrichtung des 37. Westfälischen Hansetages 2020
2015
Am 06. Juni 2015 wird die Stadt Hattingen Mitglied der Internationalen Hanse.
2016
Am 06. Oktober 2016 tritt die Stadt Hattingen dem neu gegründeten Verein Westfälischer Hansebund e.V. bei

 

 

QUELLEN
(1) Weiß, Thomas (2016): Hansestadt Hattingen. http://www.hattingen.de, abgerufen am 13.08.2017
(2) Gurk, Bernhard (2000): Die Hanse und Westfalen. Ein Aufbruch nach Europa.
(3) Eversberg, Heinrich (1985): Das mittelalterliche Hattingen.
(4) Ruth Schmidt-Wiegand (1982): Hanse und Gilde. Organisationsformen im Bereich der Hanse und ihre Bezeichnungen

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: