Die Kunst-Stadttore

Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch bei der Übergabe des Morandini-Tores am 7. Dezember 2010. Foto: Lars Friedrich

Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch bei der Übergabe des Morandini-Tores am 7. Dezember 2010. Foto: Lars Friedrich

32 Jahre nachdem Kreisheimatpfleger Dr. Heinrich Eversberg der Hattinger Verwaltung vorgeschlagen hatte, die fünf mittelalterlichen Stadttore im Zuge der Altstadtsanierung wieder anzudeuten, übergab am Dienstag, 7. Dezember 2010 die damalige Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch am Standort des historischen Bruchtores das Kunstwerk „La Porta Aperta“ in Anwesenheit des italienischen Künstlers Marcello Morandini (70) der Öffentlichkeit. Damit waren 4 von 5 Stadttor-Standorte durch moderne Kunst sichtbar gemacht worden. Im September 2015 wurde mit der Errichtung des Kunstwerkes von Augustí Roqué an der Kreuzung Bahnhofstraße/ Große und Kleine Weilstraße das ambitionierte Stadttor-Projekt abgeschlossen.

Nach Eversbergs ambitionierten Vorstoß von 1978  mussten jedoch erst viele Jahre vergehen, bis die Stiftung für Kunst, Kultur und Denkmalpflege der Sparkasse Hattingen im Jahre 1999 in Abstimmung mit dem damaligen Direktor des Museums Bochum, Dr. Peter Spielmann, und dem Hattinger Künstler Bernhard Matthes europaweit einen Wettbewerb ausschrieb, die historischen Stadttore mit Kunstwerken neu zu markieren. Ausgewählt wurde als Pilotstandort das Steinhagentor. In einer Ausstellung der Sparkassenstiftung wurden die Entwürfe präsentiert und öffentlich diskutiert:

Das Kunstwerk am Steinhagen. Foto: Lars Friedrich

Das Kunstwerk am Steinhagen. Foto: Lars Friedrich

Stadttor Voré, Ettlingen
Umgesetzt am Steinhagentor
Kosten der Umsetzung:  70.000 Euro (50.000 HWG, 20.000 Sparkassenstiftung)

Bevor das Morandini-Tor errichtet wurde, suchte die Stadt mit einem Holz-Modell nach dem richtigen Standort. Foto: Lars Friedrich

Bevor das Morandini-Tor errichtet wurde, suchte die Stadt mit einem Holz-Modell nach dem richtigen Standort. Foto: Lars Friedrich

La Porta Aperta, Marcello Morandini, Varese, Italien
Umgesetzt am Bruchtor
Kosten der Umsetzung: 150.000 Euro

Hattingens Ruhr.2010- Beauftragter Walter Ollenik (links) und Künstler Urs Dickerhof am Holschentor. Foto: Lars Friedrich

Hattingens Ruhr.2010- Beauftragter Walter Ollenik (links) und Künstler Urs Dickerhof am Holschentor im Mai 2010. Foto: Lars Friedrich

Engel ante portas, Urs Dickerhof, Biel, Schweiz
Umgesetzt am Holschentor
Kosten der Umsetzung: 50.000 Euro (Sparkassenstiftung)

1999 hatte Agustí Roqué seinen Stadttor-Entwurf für den Steinhagenplatz entwickelt; die Realisation des wuchtigen Stahlbogens am Weiltorplatz scheiterte jedoch am ungeeigneten Untergrund, der eine Befestigung nicht zuließ. Bild: Agustí Roqué

1999 hatte Agustí Roqué seinen Stadttor-Entwurf für den Steinhagenplatz entwickelt; die Realisation des wuchtigen Stahlbogens am Weiltorplatz scheiterte jedoch am ungeeigneten Untergrund, der eine Befestigung nicht zuließ. Bild: Agustí Roqué

Tor Agusti Roqué, Barcelona, Spanien.
Umgesetzt am Weiltor
Kosten der Umsetzung: 85.000 Euro

Die Wahl für das Steinhagentor fiel auf den Entwurf von Voré (eigentlich Erhard Volker). Allerdings wurde festgehalten, dass die Entwürfe gleichwertig waren und für die anderen Stadttore in Frage kommen. Am 12. April 2000 wurde das Gesamtprojekt dem Kulturausschuss vorgestellt und stieß auch dort auf einhellige Zustimmung. Noch im gleichen Jahr wurde das Steinhagentor, finanziert durch die Sparkassenstiftung und den Sponsor HWG, beauftragt. Das Kunstwerk aus Ibbenbürener Sandstein wurde in der Werkstatt von Voré und das Stahlelement in den Hattinger Metalllehrwerkstätten hergestellt und am 26. Mai 2003 der Öffentlichkeit übergeben.

Parallel dazu hatte die Kulturverwaltung die Arbeit „Porta aperta“ von Marcello Morandini für das Bruchtor als eines der Hattinger Projekte zum Landeswettbewerbs „StandortInnenstadt. NRW“ vorgeschlagen, das in Folge vom NRW- Wirtschaftministerium auch zur Förderung vorgeschlagen wurden. Dank der 105.000 Euro Landesmittel, 20.000 Euro von der Kulturhauptstadt und 25.000 Euro von Sponsoren (u.a. vom früheren „Hattinger Verkehrsverein“) konnte das 150.000 Euro teure vierte Tor realisiert werden, ohne die Stadtkasse zu belasten.

Der Wächter am Standort des ehemaligen Heggertores ist ein Kunstwerk, das der tschechische Künstler Jan Koblasa ursprünglich 1995 für eine Ausstellung mit eigenen Werken im Alten Rathaus erstellt hatte. Da die auf dem Untermarkt fest installierte Skulptur nach Ende der Ausstellung schlecht habe abtransportiert werden können, entschied man sich 1996, sie in der autofreien Heggerstraße wieder aufzustellen – Kosten des Kunstwerkes an der Nahtstelle zur Neustadt: 15.000 Euro, die von der Sparkasse bezahlt wurden.

Hintergrund: Der Befestigungsvertrag von 1396 ermöglichte den Bau der ersten Hattinger Stadtbefestigung, einem Flechtzaun zwischen Eichenpfosten, einem Stadtgraben und einem Wall aus ausgehobenem Material. Erst zwischen 1586 und 1590 wurde die Stadtbefestigung in Bruchstein mit einer inneren Mauer und einer Außenmauer erneuert. Sieben Stadttürme krönten damals die Mauer zwischen den fünf Stadttoren, die die Wege aus den umliegenden Bauernschaften und die Eingänge der Fernhandelsstraße sicherten. Als um 1820 Hattingen über seine mittelalterlichen Grenzen hinauswuchs, wurde dieses steinerne Bollwerk weitgehend abgetragen. Im mittelalterlichen Stadtgrundriss sind die fünf Stadttorstandorte jedoch bis heute als Eingänge in die Altstadt erkennbar: das Bruchtor, das Weiltor, das Heggertor, das Holschentor und das Steinhagentor.

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