Depot-Objekt des Monats November 2019

Das Depot-Objekt des Monats: Nichts.

An den 9. November 1938 erinnert eine zerschlagene Scheibe am Bügeleisenhaus. Erinnerungen an die ehemaligen jüdischen Bewohner gibt es im Depot des Museums keine. Foto: LRF/HAT

An den 9. November 1938 erinnert eine zerschlagene Scheibe am Bügeleisenhaus. Erinnerungen an die ehemaligen jüdischen Bewohner gibt es im Depot des Museums keine. Foto: LRF/HAT

Von 1856 bis 1938 führte die jüdische Familie Cahn eine Metzgerei in der Hattinger Altstadt – bis 1907 hier im Haus Haldenplatz 1, danach an der Bruchstraße 5. Vier der sieben Kinder von Nathan und Amalie Cahn wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Im Magazin des Museums Bügeleisenhaus gibt es kein einziges Objekt aus dem Besitz der langjährigen Hauseigentümer. Aus diesem Grund ist im November 2019 das Depot-Objekt des Monats: Nichts – ausgestellt vor einer zerstörten Scheibe, die man nach dem 9. November 1938, wie an vielen jüdischen Geschäften und Wohnungen, auch hier am Haus Haldenplatz 1 vorgefunden haben dürfte.

Ein Jahr vor den Novemberpogromen verkauft Karl Cahn 1938 „in vollkommen freier Übereinstimmung“ die „Rind- und Schweine-Metzgerei mit elektrischem Betrieb N. Kahn“ an der Bruchstraße (von 1970 bis 1974 Große Weilstraße 35) an den Hattinger Metzger Wilhelm „Willi“ Stratmann. In einem ersten notariell beglaubigten Kaufvertrag vom 16. Juli 1938 einigen sich Stratmann und Cahn auf eine Verkaufssumme von 26.000 Reichsmark für Haus und Grund plus 2.500 Reichsmark für das Inventar. Doch am 19. Oktober 1938 wird der Kaufvertrag nach Intervention der Preisüberwachungsstell des Landrates nach unten korrigiert: Cahn soll jetzt nur noch 18.000 Reichsmarkt für Haus und Grund erhalten, da man die Immobilie auf Grund von Alter und Lage zwischenzeitlich abgewertet hatte.

Abzüglich einer Resthypothek von 8.460 Reichsmark zahlt Wilhelm Stratmann letztlich 12.040 Reichsmark auf das Konto von Carl Cahn bei der Sparkasse Hattingen ein und übernimmt das Geschäft zum 1. November 1938. Damit ist die „Entjudung“ dieses, 1856 am Haldenplatz von Cahns Großvater Salomon Schmidt gegründeten jüdischen Hattinger Traditionsgeschäftes, endgültig vollzogen. Vor dem Haus erinnert ein Stolperstein an Cahns Schwester Amalie und im Museum eine Sonderausstellung an die Familie Cahn.

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Datum/Bearbeiter: 01.11.2019/LRF

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