„Wer ist denn der Mann da?“ Dr. med. Ferdinand Krüger

Wer ist denn der Mann da? Eine berechtigte Frage! Über Jahrzehnte hing in der Giebelstube des Bügeleisenhauses ein großes Ölgemälde, das einen älteren Herrn zeigt. Wer ist dieser Mann? Wie kam das Bild ins Bügeleisenhaus? Diesen Fragen geht unsere Kabinettausstellung zu Dr. Ferdinand Krüger (1843 – 1915) im ehemaligen Metzgerladen des Bügeleisenhauses nach.

Dr. Ferdinand Krüger. Foto: LRF

Dr. Ferdinand Krüger. Foto: LRF

Krügers Vita

Adolf Ferdinand Krüger wird am 27. Oktober 1843 in Beckum als Sohn des Gerichtsschreibers Ferdinand August Krüger und der Tierarzt-Tochter Maria Sophia Anna Scheer geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters 1848 zieht die Familie nach Ahlen. Hier besucht er zunächst die Volksschule, wechselt dann von 1854 bis 1856 an die Rektoratsschule in Menden, wo seine verheiratete Schwester lebt und besucht 1858 die Gymnasien in Warendorf und danach in Coesfeld – muss aber beide wegen Schulvergehen verlassen. 1862 macht Krüger das Abitur in Brilon und studiert danach Medizin: zunächst in München, 1864 in Greifswald, 1866 für ein Semester in Würzburg und nach einer kurzen Teilnahme am Krieg von 1866 an der Universität Berlin, wo er 1867 promoviert. 1868 legt er das Staatsexamen ab.

1869 wird der rastlose Krüger sesshaft und lässt sich in Linden nieder, wo er bis 1911 eine ärztliche Praxis führt und von 1885 bis 1911 zugleich erster Leiter des neu eingeweihten St. Josef-Hospitals ist. Ebenfalls 1869 heiratet Krüger Therese, die Tochter des Kölner Malers Joseph Seyfried, die nach der Geburt von vier Töchtern 1875 verstirbt. 1881 heiratet er erneut: Adele, die Tochter des Hattinger Steuereinnahmers Friedrich Wessel und der Bertha Weygand. Aus dieser Ehe gehen zwei Söhne hervor.

Vermählungsanzeige, Festprogramm zur Vermählung und Vermählungswünsche. Foto: LRF/HAT

Vermählungsanzeige, Festprogramm zur Vermählung und Vermählungswünsche. Foto: LRF/HAT

1910 wird Krüger zum Geheimen Sanitätsrat ernannt, übernimmt den Vorsitz im Westfälischen Dichter- und Schriftstellerbund und verbringt seinen Ruhestand, nach einem kurzen Aufenthalt in Berlin-Dahlem, in Bredeney, wo er am 8. Februar 1915 stirbt. Seine letzte Ruhestätte finden Krüger und seine bereits am 22. Juni 1908 in Linden verstorbene Frau Adele auf dem evangelischen Friedhof in Hattingen an der Seite der Schwiegereltern.

Krügers Werk

Nach ersten schriftstellerischen Arbeiten in Tagebuchform (Das Heilige Land Tirol, 1863, unveröff.) und in Form von Erzählungen, die im „Plattdütschen Husfründ“ abgedruckt werden, veröffentlicht Ferdinand Krüger 1882 seinen ersten Roman „Rugge Wiäge“. In diesem Werk stehen die sozialen Probleme im Vordergrund, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts im Ruhrgebiet durch den Einbruch des Kohlebergbaus in ein traditionell landwirtschaftliches Gebiet ausgelöst wurden.

Sein zweiter Roman „Hempelmann’s Smiede“ (3 Bde., 1893 f.) verlässt dann den Bereich pointierter sozialer Problematik und wendet sich einem umfangreichen historischen Gemälde zu, das vor der Folie der französischen Besetzung Westfalens zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Geschichte des westfälischen Dorfes „Ahltrop“ (Ahlen) zwischen 1802 und 1813 schildert. In die Handlung eingearbeitet sind Berichte über Bräuche und westfälische Sagen- und Märchenmotive.

Krügers dritter großer Roman ist Fragment geblieben und postum herausgegeben worden: „Iärwschaden“ (1925). Hier wird die Geschichte der erbbelasteten Kinder eines dem Alltagsleben nicht ganz gewachsenen Hofbauern erzählt.

Ferdinand Krügers Bedeutung als Dialektschriftsteller liegt darin, dass es ihm als ersten westfälischen Autor gelungen ist, ernsthafte Themen und Probleme in Dialektromanen abzuhandeln. Ähnlich wie Klaus Groth mit seiner spätromantischen Lyrik den nordniedersächsischen Dialekt literaturfähig machte, bereitete Krüger mit der Abkehr von der „Döönkes-Literatur“ den Weg für seine westfälischen Schriftsteller-Nachfahren Augustin Wibbelt und Karl Wagenfeld.

 

Medizinisches Gerät und private Gegenstände aus dem Besitz von Dr. Ferdinand Krüger. Foto: LRF/HAT

Medizinisches Gerät und private Gegenstände aus dem Besitz von Dr. Ferdinand Krüger. Foto: LRF/HAT

Krüger und wir

Bereits ein Jahr, nachdem der Heimatverein Hattingen/Ruhr das frisch restaurierte Bügeleisenhaus 1962 als „Heimathaus“ mit ostdeutschen Heimatstuben wiedereröffnet, erwirbt 1963 Vereinsvorsitzender Dr. Heinrich Eversberg, wohl aus dem Besitz der Hattinger Familie Weygand, für das Bügeleisenhaus einen Teil des persönlichen und literarischen Nachlasses des Mundartdichters Ferdinand Krüger. Zu dieser Erwerbung zählen die hier ausgestellten Ölgemälde von Krüger und seiner zweiten Ehefrau, medizinisches Gerät, schriftliche Zeugnisse und Familienfotos. Ebersberg selbst veröffentlichte 1966 seinen Aufsatz „Ferdinand Krüger und das Hattinger Ruhrtal“ in der Vereinspublikation „Niederdeutsche Sprache und Dichtung in Hattingen“.

Der weitere Nachlass des Dialektdichters Ferdinand Krüger wurde am 2. Mai 1967 dem Archiv des Kreises Beckum vom Rechtsanwalt Gellhorn, Moers, übergeben. Ein zweiter Teil, der bereits 1948 der Stadt Beckum ausgeliehen war, kam 1968 in das Kreisarchiv Warendorf.

Der Warendorfer Gesamtbestand besteht aus verschiedenen Briefen Krügers und seiner Verwandten, die bis in die Studienzeit Krügers zurückreichen. Es schließen sich Familiendokumente an. Ein weiterer Bestandteil sind die Entwürfe, Manuskripte zu veröffentlichten und unveröffentlichten Werken und Reden Krügers. Danach folgt eine Sammlung von Zeitungsausschnitten, Rezensionen und dergleichen über Ehrungen Krügers und seiner Werke. Den Abschluss bilden Abschriften von Briefen, Gedichte Gellhorns und Familienfotos und -bilder.

Leseprobe aus Iärwschaden, Kap. XXV
To Geistlik studeeren, dat hedde vüör Di met’t Liäwen spielen un dat Liäwen narren.
Aower Faßelaowend duert män eenen Dag un dann kümp dat Askenkrüß up de Stärne – Beßmoder segg ümmer, Du wäörst en Eegenpaß van’n Jungen – un dat segg ik met.
Du gongst ümmer Dine eegenen Wiäge un leit’s Di kinen nuffk in’n Nacken giewen.
Dat paßt appatts nich vüör en geistliken Hären, un Du läggst Di baolle in de Haore met de haugen Härens in Mönster, – dat wäör dann dat Askenkrüß an’n Askermiddewiäken.

Denkmäler und Benennungen
Ahlen
Ferdinand Krüger Straße
Beckum
Gedenkstein mit einem Bronzerelief
Krüger-Denkmal auf dem Wilhelmsplatz
Krüger-Zimmer im Stadtmuseum (Markt 1)
Bochum
Ferdinand-Krüger-Straße
Ferdinand Krüger Schule im HELIOS St.Josefs-Hospital Linden
Hattingen
Grabstein in der Grabsteinsammlung des Ev. Friedhofs

ÖFFNUNGSZEITEN
4. Mai bis 08. Dezember 2019
Sa, So, Feiertage: 15.00 – 18.00 Uhr
und nach Vereinbarung

Werbeanzeigen

Create a website or blog at WordPress.com

%d Bloggern gefällt das: